THE DAY- 2 YEARS AGO

Guten Morgen meine Lieben,

heute war eigentlich ein ganz anderer Blogpost geplant… doch, da mir beim schauen auf das Datum etwas aufgefallen ist, ziehe ich diesen jetzt vor und ich könnt euch schon einmal merken, dass Monat oder Dienstag ein weiterer folgt. Wir haben heute den 14.05.2017 und somit möchte ich euch genau heute etwas mit auf den Weg geben, etwas das mir so sehr am Herzen liegt, etwas dass durch meine eigenen Erfahrungen kommt und darüber zu sprechen fällt mir ehrlich gesagt alles andere als leicht, da es einer Erfahrung ist, die unglaublich schmerzhaft war.

WARUM HEUTE?

Wie ihr alle wisst, habe ich im Jahr 2015 Anorexia Nervosa gehabt, bzw. hat es direkt am Anfang des Jahres angefangen und ging dann bis Februar 2016. Meine ganze Geschichte findet ihr ja schon auf meinem Blog, aber dort habe ich nie erwähnt, wann mir bewusst geworden ist, dass wirklich etwas falsch läuft, wann mir bewusst geworden ist, dass ich krank war. Somit dachte ich mir, möchte ich dieses doch einmal mit euch teilen und genau darauf jetzt eingehen.

Im Januar 2015 hat alles angefangen, innerhalb von 3 Monaten habe ich mein Gewicht unglaublich reduziert, von wenigen Gramm vor dem Übergewicht ging es in ein paar Wochen in das ganz, ganz gefährliche Untergewicht. Von einem Mädchen, dass die Fassade lange aufrecht hielt, ging es über zu einem Mädchen, welches auf einmal alles über sich siegen lassen hat, dem alles zu viel wurde und was all diese Probleme, die es in sich trug, nicht mehr verkraften konnte.

Für alle diese Probleme machte ich mich selber verantwortlich, ich dachte immer, dass ich das Problem war, dass ich alles falsch machte, dass ich hoffnungslos war und eigentlich niemandem wirklich viel bedeutete.. Somit viel das Gewicht, immer und immer weiter, da ich diese Probleme auf das Essen übertrug und es so gut wie ganz einstellte. Nicht etwa, weil ich keinen Hunger hatte, nein, weil ich schon tief von der Krankheit gefangen war, was mir mehrere Monate überhaupt nicht bewusst war.

Doch als es  ins Untergewicht, dann ins unglaublich starke Untergewicht ging, ich wegen verschiedener Leute mich dazu aufgefordert fühlte etwas zu essen, es alleine versuchte und mir die Tränen flossen, da ich es nicht über mein Herz gebracht habe, etwas zu essen, vielleicht zuzunehmen, wurde mir klar, dass etwas nicht stimmt. Das es Magersucht war, wusste ich nicht direkt, denn mein Kopf spielte mir immer das Gegenteil, von der Realität vor, zwar war ich unglaublich dürr, doch mir in meinem Kopf wurde etwas anderes gezeigt, ich sah jemanden der immer noch weniger werden konnte und nicht wenig genug war.

Alle Menschen im meinem Umfeld waren fertig mit den Nerven, keiner konnte mich noch mit seinen Worten erreichen und verstanden hatte ich es nicht… bis zu diesem Tag, der 14.05.2015.

Es war einer der Tage, an den ich mich jetzt gar nicht mehr gerne erinnere. Es gibt ein Foto des Tages und dieses erschreckt mich absolut jedes mal, wenn ich es durch Zufall zwischen allen Bildern auf der Festplatte entdecke… Dieses Mädchen, so eingefallen, so regungslos, so Emotionslos… Doch wenn ich mich dann auch noch daran erinnere, wie die Nacht  war, dann werden die Erinnerungen immer und immer schlimmer…

 

WARUM ICH ES ERZÄHLE

Viele werden sich wahrscheinlich fragen warum ich es denn dann mit euch teile und mich daran, so zusagen, einmal versuche zu erinnern und das möchte ich euch beantworten… Wisst ihr, ich habe die schlimmste Zeit meines Lebens durchgemacht, war näher am Tod als am Leben und ich möchte einfach helfen, wo ich kann. Ich weiß, wie ihr euch fühlt und dass es helfen kann, wenn jemand von seiner damaligen Zeit erzählt und wie es sich dann alles zum positiven geändert hat, deshalb werde ich jetzt weiter darauf eingehen.

DIESE NACHT

An diesem Tag legte ich mich Abends natürlich, wie jeden Tag, schlafen , doch irgendwas war anders. Ich spürte, dass ich zu wenig gegessen hatte und mir die Waage am nächsten Tag nichts gutes anzeigen würde, ich spürte dass ich einen Fehler machte und ich hatte auf einmal Angst, panische Angst.  Ich legte mich zu Ruh, schlief ein paar Stunden und wachte dann wieder auf, alles drehte sich, mein Körper schmerzte von oben bis unten, meine Glieder fühlten sich so schwer an, ich begann zu zittern und zu weinen. Ich fühlte mich so leer und gleichzeitig so voll und alles schmerzte, ich wusste nicht, wie es um mich geschieht, was ich noch machen sollte. Natürlich konnte ich nicht aufstehen, ich meine es war mitten in der Nacht, dunkeln und was ich dann hätte machen sollten wusste ich natürlich auch nicht, denn die Angst in mir wurde immer größer, auf einmal spürte ich alles, was ich mit meinem Körper gemacht hatte, alles was ich ihm angetan hatte, auf einmal wurde mir bewusst wie gefährlich ich Lebte, warum alle anderen sich so sorgten, auf einmal merkte ich dass etwas falsch lief. Es tat weh, höllisch weh. Ich merkte, wie schnell mein Herz schlug, dass es verdammt noch mal kein gutes Zeichen mehr war und dass es so nicht mehr weiter geht, dass ich dem Tod näher war als je zuvor.

Nachdem ich viele Minuten mit mir selber am kämpfen war, versuchte irgendwie klare Gedanken zu fassen, was mir nicht geling, ich  schlief  total fertig ein  und wachte am nächsten Tag auf, fertig, fertig mit den Nerven, fertig mit meinen Gedanken und voller Angst, voller Angst vor dem Tag und vor allem den nächsten Nächten.

Es war mir so höllisch unangenehm, auch wenn es keiner mitbekam, auch wenn niemand merkte, wie schlimm es wirklich war, auch wenn mir bewusst war, dass sie zwar sahen, dass es mir so schlecht ging. Ich wusste, wie sie über mich dachten doch ich wusste auch, dass es noch schlimmer war, als sie es sich vorstellen konnten. Es war, wie ein Albtraum, doch zu der Zeit die Realität, mein Leben.

Diese Nacht, diese Nacht hat so einiges verändert. In dieser Nacht ist mir nach ungefähr 3-4 Monaten Hungerperiode und genau so langer Magersucht bewusst geworden, was ich da tat, mir ist bewusst geworden, was ich mir antat, mir ist bewusst geworden, dass ich krank war, doch dann folgten natürlich ganz, ganz schwere Monate. Denn wenn einem erst einmal bewusst wird, dass man krank ist, dann muss man heraus finden wieso und das geht nicht von heute auf Morgen, das dauert.

Wie es dann von Mai 2015 bis Februar 2016 lief, findet ihr bereits in meinem ausführlichen Überblick über die schlimmste Zeit meines Lebens.   Aber kurz möchte ich dazu sagen, dass ich zwischen Zeitlich etwas zunahm, eine Woche „normal“Gewicht hatte und dann so richtig abrutschte, danach folgten dann zu allem noch Depressionen und mein Gewicht wurde von Woche zu Woche weniger, das Selbstzerstörerische Verhalten wurde immer und immer schlimmer

ZURÜCK ZUM LEBEN

Doch im Februar, nachdem ich noch einmal so richtig, aber so richtig abstürzte, noch einmal die Wörter „es geht nicht mehr, die Klinik ist wahrscheinlich der einzige Weg“ hörte, dann, dann wollte ich nicht mehr, dann wollte ich wieder zu mir finde, ich wollte einfach gesund sein! Ich wollte nicht mehr zur Last für mich selber, für meine Familie und jedem in meinem Umfeld sein.

Ich wollte wieder Leben, endlich wieder lachen, endlich wieder mich selber spüren und nicht jeden Tag, 24 Stunden und 7 Tage die Woche mein eigenen Feind sein, nein, ich wollte wieder Ich sein und für mich, für mich ganz alleine kämpfen!

& somit machte ich es, somit fing ich als ganz verlorenes Mädchen, ganz alleine an und kämpfte mir mein Leben zurück, denn es war die einzige Option und das einzige was ich noch wollte.

Nach ungefähr 2 1/2 Monaten hatte ich mein Gewicht zurück und fühlte mich wie ein andere Mensch, so positiv, ich wusste endlich wofür ich es tat, warum ich angefangen hatte und zwar für eine Person, nur für mich selbst, denn ich hatte die Kontrolle wieder gewonnen und das Gefühl ein neues Leben zu starten. Es war das schönste Gefühl, das ich jemals hatte. Einfach wunderschön. Unbezahlbar.

DOCH WAS MÖCHTE ICH DAMIT SAGEN?

Hiermit möchte ich euch sagen, dass das Leben einfach das schönste Geschenk ist, dass ihr euch nicht kaputt machen sollt! Ihr müsst aufwachen und euch eingestehen, dass ihr ein Problem habt, dass es so nicht weitergeht und ihr für euch selber kämpfen müsst, da es sonst bald zu spät ist!

Nein, ihr sollt nicht erst aufwachen, wenn ihr Kreislauf zusammen Brüche habt, nicht erst, wenn das Gewicht immer niedriger wird, nicht erst wenn alle Leute in eurem Umfeld nicht mehr wissen, was sie noch machen sollen, nicht erst, wenn ihr in die Klinik sollt, nicht erst wenn euch die Haare büschelweise ausfallen, nicht erst wenn euch die Kindergrößen passen, nicht erst wenn ihr zerfallt, sondern jetzt! Wenn du ein Problem hat, dann musst du dir das eingestehen, darüber reden, deine Ängste, Sorgen und Bedenken nennen, deinen Mund aufmachen! Du brauchst dich nicht schämen, du brauchst keine angst haben, du brauchst dich nicht schämen! Du bist nicht alleine, du darfst Gefühle zeigen und alles von deiner Seele reden, dich mit deinen Problemen beschäftigen und etwas dagegen machen, dann und nur dann wird es besser, dann wirst du gesund und kannst wieder Leben!

Ich möchte nicht, dass noch mehr Menschen so viele Monate oder sogar Jahre ihres Lebens verschenken, sich selber kaputt machen und dem Tod ins Auge blicken, ich möchte, dass wir den Mund auf machen und sich niemand mehr versteckt, sondern wir einander helfen und nicht weiter dazu beitragen, dass sich Menschen so schrecklich fühlen.

Stehe zu dir, stehe zu deinen Fehlern, akzeptiere was passiert ist, schaue nach vorn und nehme die Zukunft in deine Hand. Jetzt. Sofort.

ZUM SCHLUSS

Ich glaube, dass ist wohl der Blogpost, der mir am meisten bedeutet, der ziemlich ins Detail geht und mir am schwersten gefallen ist, zu schreiben, da es eben über mit die schlimmste Erfahrung ging. Ich hoffe, damit konnte ich euch einmal zeigen, wie schlimm es wirklich werden kann oder auch zeigen, wenn ihr an dem Punkt seid, dass es nur noch eine Option für euch gibt und dass das kämpfen ist.

Solltet ihr irgendwelche Fragen haben so schreibt mir gerne alles in die Kommentare, per Instagram oder auch per E-Mail, ich versuche immer alles zu beantworten.

 

Ich wünsche euch einen wundervollen Sonntag, macht es gut!

 

ZUNEHMEN WÄHREND EINER ESSSTÖRUNG

HOW I OVERCAME ANOREXIA NERVOSA

ANOREXIA NERVOSA RECOVERY – IT IS POSSIBLE

HEALTHY WEIGHT GAINING

 

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu „THE DAY- 2 YEARS AGO

  1. Liebe Sophie,
    ich kann mir, glaube ich, gut vorstellen, wie schwer es dir gefallen ist, so eindringlich von deiner „Eingebung“ zu erzählen, ich möchte dir aber nochmal sagen, wie gut es tut und wie viel Mut es macht, gerade diesen Beitrag zu lesen. Du hast Recht, es ist an der Zeit sich gegenseitig zu unterstützen und, wenn möglich, zu helfen, und ich glaube dass Du viele andere Betroffene da draußen damit erreichen und inspirieren kannst!!!
    Einen wunderschönen Montag,
    Deine Mimi ❤

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  2. Ich finde es echt super das du darüber schreibst um anderen Menschen Mut zu machen 💪🏼du bist so unglaublich stark. Ich wünschte ich könnte mich selber mögen! Ich hab schon so oft gekämpft & auch vieles erreicht aber mein größter wunsch- mich selber akzeptieren zu können ist bis jetzt eben nur ein Wunsch…

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Sophie, ganz tolle Worte! Ich weiß wie schlimm es ist, mitten drin zu stecken und es einfach nicht realisieren zu können… zum Glück hast du den richtigen Weg hinaus gewählt💕 ganz viel Glück weiterhin!

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