ICH ERINNERE MICH DARAN- DAS FÜHLTE ICH MIT ANOREXIE

Guten Morgen ihr Lieben,

vor ein paar Tage habe ich begonnen einen Text zu schreiben, einen Text über die Dinge, die die Magersucht und Depressionen mir damals angetan haben und darüber, wie ich dazu gekommen bin bzw. was mich dazu gebracht hat, dass mir all die Erinnerungen hochgekommen sind. Da ich diesen allerdings nicht zu Ende geschrieben habe, habe ich mir nun noch einmal Zeit dafür genommen und werde diesen Zuende führen, um vielleicht dem ein oder anderen zeigen zu können, dass ich ganz genau weiß, wie es ist, wie es sich anfühlt und was Magersucht einem antut.

Ich hoffe sehr, dass ich mit meinen darauf folgenden Worten dem einen oder anderen helfen kann.

Aber nun zu meinem Text…

WIE ICH DAZU KOMME

Ich muss etwas loswerden…Das hier geht an alle Menschen, die an einer Essstörung und/ oder an Depressionen leiden….

Ich bin gerade auf ein Video im Internet gestoßen und wie ich nun mal bin hat es mich wieder so interessiert, dass ich es unbedingt schauen wollte, auch wenn ich schon vorher wusste, dass meine Gute Laune davon nicht unbedingt bestehen bleiben würde.

Ich habe es angeklickt, die erste Minute geschaut und dann kam dieses Foto, von einer Frau die über der Toilette hockte, brechend, am ganzen Körper Flecken, komplett verkommen.

ICH ERINNERE

Es kam über mich wie ein Schlag, auf einmal erinnerte ich mich an all die damaligen Momente. Zwar hatte ich keine Bulimie, sondern Magersucht und habe somit nie erbrochen, doch irgendwie kamen mir alle damaligen Ereignisse auf einmal in den Kopf, einfach so.

Ich erinnerte mich daran, wie ich jeden Tag, 24h über essen nachdachte, wie ich von Morgens bis Abends überlegte was ich essen kann, um kein Kalorien Limit zu übersteigen, wann ich am besten essen konnte, um nicht aufgebläht zu sein und es selber zu spüren, Wie Ich mich am besten selber bestrafen konnte  und wie ich all das am besten vor der Welt verstecken konnte.

Ich erinnere mich daran, wie ich morgens auf stand und direkt umkippte, wie ich eines Tages bis zu einem etwas höheren Hocker kam und ihn mit mir zu Boden Riss, weil ich nicht mehr stehen konnte, mir danach alles weh tat und meine Blauenflecken noch Wochen danach zu sehen waren. Ich erinnere mich an das Gefühl, was ich in mir trug wenn ich merkte, dass meine Muskeln nicht mehr mit machten und Treppensteigen immer schwerer wurde.

Ich erinnere mich an die quälende Zeit in der Schule, in der ich kein bisschen über den Unterricht nachdachte, mich nie konzentrieren konnte, alles was gesagt wurde, mir wie etwas total unlogisches vorkam. Ich erinnere mich daran, wie ich nur noch darüber nachdachte, was ich essen konnte, wie ich Kalorien sparen könnte und wie ich es schaffen würde möglichst wenig über den Tag zu essen. Ich erinnere mich daran, wie mein Bauch permanent knurrte, ich es immer wieder versuchte zu unterdrücken, wie ich versucht habe davon abzulenken.

Ich erinnere mich daran, wie ich nach Hause kam und einen innerlichen zusammen Bruch hatte, dazu Herzrasen bekam und anfangen musste zu weinen, weil ich wusste dass ich essen muss, aber es nicht über mich bringen konnte auf etwas zu beißen, etwas runterzuschlucken. Ich erinnere mich daran, wie meine Eltern mich leidend anschauten, nichts mehr sagen konnten, über meine Knochen strichen und mich anschauten, als wäre ich von einem anderen Planeten.

Ich erinnere mich daran, dass ich Nachmittags immer im Bett lag oder vor dem  Ofen stand und trotzdem 2 Pullis anhatte, weil ich total am Frieren war. Ich erinnere mich daran, wie ich bei 20 Grad eine Winterjacke trug und trotzdem gefroren habe. Ich erinnere mich daran, wie ich jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Minuten und genau den gleichen Weg laufen musste, weil mein Kopf mir sagte, dass ich sonst dick werde. Ich erinnere mich daran, dass ich im Sommer, nachdem ich von 4 verschieden Paaren Schuhen blasen bekommen habe, Barfuß lief, weil ich  es nicht aushalten konnte, nicht zu laufen. Ich erinnere mich daran, dass ich Abends versuchte zu essen und immer mehr in den Mülleimer Wurf, in meinem Zimmer, da ich es nicht über mich Bringen konnte, alles zu essen und meiner Familie nicht noch mehr leid antun wollte, ihnen nicht zeigen wollte, wie schlimm es wirklich war.

Ich erinnere mich daran, dass ich mich in den Schlaf weinte, Nachts aufwachte und sich alles drehte. Ich erinnere mich daran, wie ich Nachts spürte, dass mein Körper fast alle Reserven verbraucht hatte, da ich begann zu zittern und mir alles weh tat, es anstrengend war zu weinen, meine Glieder immer schwerer wurden und ich schreien wollte, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, weil alles zu sehr schmerzte.

Ich erinnere mich daran, wie ich an jedem Spiegel und an jeder Fensterscheibe vorbei ging und es einerseits nicht ertragen konnte, mich zu sehen und mich andererseits vergewissern wollte, dass ich nicht zu genommen hatte. Ich erinnere mich daran, wie ich meinen Oberschenkel umfasste, um sicher zu gehen, dass sich kein fett angesetzt hat. Ich erinnere mich daran, wie ich es nicht aushalten konnte, wenn meine Unterschenkel dicker geworden sind, weil sich Wasser einlagerte, da mein Körper vollkommen durcheinander war. Ich erinnere mich daran, wie ich jeden Morgen auf die Waage stieg, um mich zu vergewissern, dass ich nicht zu genommen hatte, bzw. um mich zu vergewissern, dass ich abgenommen hatte. Ich erinnere mich daran, wie ich wusste, das jedes Gramm weniger ein schlimmes Zeichen ist, doch mich die Magersucht so im Griff hatte, dass es mir von Tag zu Tag weniger schlimm vor kam und die Depressionen schlimmer wurden.

SO VIEL MEHR

Ich erinnere mich, an so viel mehr, an so viele Dinge, die alle nur mit Schmerz und Leiden verbunden waren, die nichts aber sowas von gar nichts positives an sich hatten, die alle darauf hinausliefen, dass ich immer und immer mehr in das schwarze Loch fiel.

NUN ZU DIR

Das ist meine Vergangenheit und aus dieser habe ich so viel gelernt, wie noch nie zuvor. Nie, nie, nie wieder möchte ich etwas, wie dieses, erleben und mir zerreißt es das Herz, wenn ich merke, wie viele von euch an einer Essstörung erkrankt sind, wie viele von euch sich immer noch mit diesen Dingen 24/7 auseinander setzten, wie viele sich komplett verloren haben und einfach das schöne, im Leben, nicht mehr sehen können.

Und genau weil ich weiß, dass es einen Weg aus dieser schrecklichen Lebenslage, aus dieser Krankheit, aus diesem Kreislauf gibt, weil ich diesen Weg selber gegangen bin, möchte ich euch zeigen, dass es möglich ist, ich möchte euch Mut machen und nicht in eurem glauben, dass die Magersucht der richtige Weg ist, bestärken.  Denn der einzige Weg, der Vernünftig, schön und richtig ist, ist der in ein gesundes Leben, der Weg raus aus der Magersucht/ Anorexie und den Depressionen!

Denn nur, wenn du diesen Weg gehst, kannst du wieder Leben! Nur wenn du über deine Probleme redest, wirst du die Magersucht besiegen, nur wenn du anfängst zu essen, alles zu essen, dann und genau dann kannst du gesund werden!

Aber dafür musst du etwas tun, du darfst dich nicht länger verstecken, sondern musst aufstehen und kämpfen, musst stärker sein, als du es je warst, musst über deine Grenzen hinaus gehen und alles geben!

Du darfst dich zu beginn nicht gut fühlen, du darfst weinen, aber nur unter einer Bedingung und das ist, wenn du trotzdem weiter machst, wenn du jeden Tag dein aller, aller bestes gibst und dich auch nicht von den etwas schlechteren beirren lässt. Ja, der Anfang ist schwer, doch wenn du jetzt anfängst dann bist du Morgen näher an deinem Ziel, dann kannst du erreichen, was du dir so lange schon gewünscht hast, dann kannst du gesund werden!

Sage nicht mehr „Ich schaffe es nicht“ oder „Morgen“ nein, glaube an dich selbst, rede dir ein das du es kannst und dann fange an, HEUTE, jetzt SOFORT!

Du darfst keinen Tag mehr warten, denn einen Tag an dem du zu 100% schlüssig bist, dass du den Kampf gewinnen wirst, der wird nicht kommen, solange du so weiter machst wie jetzt, denn der richtige Tag, der ist schon lange da!

STEHE AUF UND GLAUBE AN DICH!

 

Puuuuuh, das musste ich jetzt einmal von mir los schreiben und hoffe sehr, dass ich damit dem einen oder anderen helfen konnte und euch ans Herz legen konnte, dass es alles in euch selber liegt und ihr es in der Hand habt. Hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht per Instagram in dem ihr mir Feedback gebt oder Fragen stellt, falls ihr noch welche habt. ich freue mich immer sehr diese Zu lesen und antworte so schnell, wie möglich.

Allerliebste Grüße

eure Sophie

 

 

 

2 Kommentare zu „ICH ERINNERE MICH DARAN- DAS FÜHLTE ICH MIT ANOREXIE

  1. Hallo liebe Sophie,
    seit ein paar Wochen folge ich dir nun auf instagram und habe angefangen deinen Blog zu lesen. Ich finde es immer sehr motivierend und toll, was du auf instagram schreibst und finde auch diesen Blogpost hier sehr schön! Du gibst mir Mut und Kraft jeden Tag zu kämpfen und gegen die Stimmen und die Gedanken in meinem Kopf anzugehen. Leicht ist das nicht und ich habe noch einen langen Weg vor mir, das kennst du sicher. Aber ich möchte das nun endlich nach so langer Zeit loswerden und mein Leben genießen können und mich in meinem Körper wohlfühlen und mit mir selbst zufrieden sein.
    Ich möchte dir sagen, auch wenn ich dich persönlich nicht kenne, dass du für mich ein totales Vorbild bist und ich finde, dass du ein starkes Mädchen mit einer wunderschönen Seele bist! Ich hoffe, ich kann endlich davon wegkommen und mich würde es sehr stolz machen, wenn ich dir nach einiger Zeit wieder schreiben kann und dieses Mal ganz positiv berichten kann, dass ich nun fast am Ziel meiner Träume bin.
    Ganz liebe Grüße und bleib weiterhin so herzlich und inspirierend, deine Carolin ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Carolin! Vielen, Vielen dank für deinen Kommentar! So etwas freut much sehr zu hören. Ich bin Mir ganz sicher, dass du Es schaffen wirst, wenn du alles dafür tust, wenn du so viel kämpfst, Wie du nur kannst! Natürlich ist der Anfang Schwer, doch Es wird immer leichter und wenn du wieder gesund bist wirst du dich fragen wie das nur ging, wieso du nur so viel Zeit verschwendet hast. Ich glaube an dich und halte mich gerne auf dem Laufenden, zu hören wenn es dir besser geht, wäre natürlich super schön ! Liebe Grüße Sophie

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s