FIGHT

Guten Morgen meine Lieben,

heute möchte ich mich wieder an alle wenden, die an einer Psychischen Krankheit bzw. an einer Essstörung leiden. Wie ihr wisst, bin ich seit mehreren Monaten geheilt und habe somit seit dem absolut keine Gedanken mehr, die mich früher täglich quälten. Es fühlt sich alles so weit weg an und als wenn ich ein völlig anderer Mensch bin, was natürlich ein unbezahlbar schönes Gefühl ist.

WIE KOMME ICH ZUM SCHREIBEN?

Doch als ich vor einer Woche meinen alten USB Stick wieder fand und nichts ahnend eigentlich nur ein paar Dinge auf ihm abspeichern wollte, musste ich wirklich tief schlucken, als ich feststellte, dass doch noch ein paar mehr Bilder, aus der damaligen Zeit, existieren.  Natürlich weiß ich schon seit einer langen Zeit, wie schlimm ich aussah, doch weil ich dachte, dass ich diese Bilder alle gelöscht habe, war ich umso mehr geschockt, als ich sie sah.

MEINE GEDANKEN BEIM ANBLICK

Ich betrachtete die Bilder und sah zwar, das Mädchen was sie „Sophie“ nannten, allerdings war von mir selber nicht wirklich etwas da. Ich war nur noch ein Mädchen, dass sich völlig verloren hatte, dass absolut nichts mehr zum lächeln, geschweige denn zum lachen brachte, dass sich jeden Tag vor dem aufstehen fürchtete, da es mir direkt den Boden unter den Füßen weggezogen hat, weil ich viel zu wenig Kraft hatte. mein Kreislauf nicht in Schwung kam und mir somit erst einmal schwarz vor den Augen geworden ist, bevor ich es nach vielen Versuchen schaffte aufzustehen.

Ich erinnere mich daran, wie ich schon Morgens mit höllischen Schmerzen aufwachte, da ich einerseits Hunger hatte und mich andererseits total voll fühlte, zu voll, zu viel. Egal was mir Morgens die Waage anzeigte, wie viel ich abgenommen hatte, wie wenig ich eigentlich wog…, es fühlte sich immer, als wäre es zu viel.

Ich erinnere mich daran, wie ich mich täglich durch die vielen Stunden in der Schule schleppte, wie ich versuchte die Treppen hoch zu gehen, ohne das gleich Gewicht zu verlieren und die Treppe, wieder rückwärts runter zu fallen.  Ich erinnere mich daran, wie ich Nachmittags nach Hause kam und dem Kampf mit dem Essen bzw. nicht essen ausgesetzt war, wie ich nicht wusste, ob ich etwas essen sollte, was ich essen sollte, wie viel ich essen sollte. Ich erinnere mich daran, wie schwer es mir viel, etwas runterzuschlucken, sogar das trinken empfand ich als Qual. Ich erinnere mich daran, wie ich jede Kalorie zählte und schon vor einer mehr, als am Vortag, angst hatte.

Ich erinnere mich daran, wie ich mich täglich in den Schlaf weinte, wie ich mir für alles und jede schlechte Situation, in meinem Leben, einen Vorwurf machte. Ich erinnere mich daran, wie meine Eltern in Tränen vor mir standen und nicht mehr weiter wussten. Ich erinnere mich daran, wie ich meinen Vater anschrie, als mir die „Stimme“ in meinem Kopf wieder einredete, dass ich etwas falsch machte, als ich aß.  Ich erinnere mich daran, wie ich hunderte mal am Tag vor dem Spiegel stand und in Tränen ausbrach, weil ich nicht mehr sehen konnte, was ich sah, weil ich hasste, was ich sah….

Diese Dinge könnte ich Stundenlang weiter aufzählen, immer weiter führen und wieder etwas neues finden, dass ich damals fühlte oder dachte… Doch ich denke, dass es an dieser Stelle genügt und ich nicht noch mehr der Erinnerungen hoch holen sollte.

WANN DENKE ICH AN DIE DAMALIGE SITUATION

Viele Fragen sich jetzt wahrscheinlich ob ich oft darüber nachdenken und noch ein Gefühl davon habe, dazu kann ich nur eines ganz klar und deutlich sagen, NEIN! Ich habe keines der Gefühle mehr und darüber nachdenken mache ich so gut wie nie, es gibt denke ich nur zwei Situationen, in denen ich daran denke, wie ich mich damals fühlte und das, ist wenn ich ein Bild sehe, auf dem ich abgelichtet bin, unglaublich zerbrechlich bin, mein Haaransatz um einige Zentimeter nach hinten verschoben ist oder wenn ich jemanden sehe, von dem ich weiß, dass er Erkrankt ist und es nicht schafft, dem Kreislauf zu entkommen, der es nicht schafft gegen diese (Entschuldigt diesen Ausdruck, aber das beschreibt es einfach) Scheiß Krankheit zu besiegen.

DAS MÖCHTE ICH EUCH AN DAS HERZ LEGEN

Doch, weil ich ganz genau weiß, wie es sich anfühlt, weil ich weiß, wie schlimm diese Krankheit wirklich ist, weil ich weiß, dass es super schwer ist sie zu besiegen, aber es selber geschafft habe, möchte ich euch etwas sagen:

DU

Jeder, absolut jeder Mensch, der an Anorexie oder einer anderen Essstörung erkrankt ist kann diese besiegen, egal, ganz egal, wie viele Menschen euch schon gesagt haben, dass es Hoffnungslos ist, ganz egal, wie lange ihr schon an der Krankheit leidet, ganz egal, wie schlimm ihr euch gerade fühlt… IHR KÖNNT SIE BESIEGEN!

Ich weiß, dass es unglaublich schwer ist aufzustehen, dass es unglaublich schwer ist wieder mit dem Essen anzufangen,  dass es super hart ist seinen bzw. den Kopf inklusive der Magersucht auszustellen. Ich weiß, dass es nichts ist, was man von jetzt auf gleich wieder in den Griff bekommt.

Doch ich weiß auch, dass man jeden Tag aufstehen kann und den nächsten Schritt gehen kann, ich weiß dass man sich jeden Tag gegen diese „Stimme“ stellen, sie Ignorieren und wieder zu sich finden kann.

Nichts und niemand hat das Recht, dir das Gefühl zu geben, dass du es nicht Wert bist. Nichts und niemand hat das Recht, dir zu sagen, dass du etwas nicht erreichen kannst. Nichts und niemand hat das Recht, dich als ein Hoffnungsloser Fall abzustempeln, denn wir alle, wir alle können das schaffen!

Dafür musst du aufstehen! Du musst HEUTE aufstehen und kämpfen! Du musst jeden Tag alles geben, was du nur kannst! Du darfst dich nicht von schlechten Tagen irritieren lassen, du darfst dich nicht von der „Stimme“ in deinem Kopf beirren lassen! Du musst über deine Grenzen hinausgehen, ein mal, zehn mal, 100 mal, solange bis du merkst, dass du diese Krankheit besiegt hast!

Wenn du für dich kämpfst, wenn du alles gibst, wenn du JETTZT anfängst, dann und genau dann wirst du wieder leben können, du wirst wieder lachen können, du wirst wieder lieben können!  Du wirst nicht mehr das Gefühl haben, dass du „dick“ bist, du wirst nicht mehr das Gefühl haben, das du es nicht Wert bist, du wirst nicht mehr angst vor dem aufstehen haben, du wirst nicht mehr angst haben zu viel zu sein, nein, du WIRST WIEDER LEBEN!

DU BIST ES VERDAMMT NOCHMAL WERT!

Fange endlich an! Fange an zu kämpfen! Kämpfe für dein Leben!

KÄMPFE FÜR DICH!

Ich hoffe, dass ich damit dem einen oder anderen zeigen konnte, dass ihr nicht alleine seit, dass ich ganz genau weiß wie sich die Folgen von Anorexie anfühlen, dass ich dir mit diesem Blogpost etwas Mut machen konnte und du endlich für dich kämpfst!

Du schaffst das!

Viele Liebe Grüße,

deine Sophie

 

ZUNEHMEN WÄHREND EINER ESSSTÖRUNG

HOW I OVERCAME ANOREXIA NERVOSA

MY FITNESS JOURNEY

4 Kommentare zu „FIGHT

  1. Liebe Sophie,
    vielen Dank für diesen tollen, bewegenden und absolut wahren Post! Ich weiß, ich habe dir noch nie geschrieben und hoffe sehr dass es in Ordnung ist, wenn ich ein sehr persönliches Kommentar hinterlasse, aber ich wollte dir einfach schreiben, wie wichtig und wertvoll deine Arbeit ist. Deine Beiträge motivieren nicht nur dazu, mit dem Kämpfen gegen die Essstörung anzufangen, sie bestärken mich (und viele andere bestimmt auch!) darin, weiter dranzubleiben und den Weg weiterzugehen. Du hast sehr schön gesagt, dass JETZT der richtige Moment ist, nicht wenn man sich „bereit“ fühlt, denn dies wird, frei heraus gesprochen, niemals eintreten.
    Ganz lieben Dank, herzliche Grüße an dich und einen wundervollen Abend,
    deine Mimi

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen lieben Dank, für deinen Kommentar! Mich freut es immer unglaublich, eine Rückmeldung zu bekommen und zu hören, dass es jemandem etwas hilft und ihr euch dadurch motiviert fühlt! Vielen Dank!✨ Ich wünsche dir alles gute für deinen weiteren Weg.
      Allerliebste Grüße deine Sophie

      Gefällt 1 Person

  2. Wow dieser Text hat mich echt bewegt! Ich leide zwar nicht an einer Essstörung aber an Depressionen. Wobei ich diese grade gut bekämpfe 🙂 Ich kann dich trotzdem so gut nachvollziehen und verstehen. Ich finde es super das du so ehrlich bist und das öffentlich machst! So viel Mut muss man auch erst haben.
    Jenni xx

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