SEE YOURSELF

Es kommt immer anders als man denkt, denn eigentlich wollte ich nicht mehr über diese Krankheit schreiben, da sie einfach keine Rolle mehr in meinem Leben spielt. Doch wenn ich Nachrichten bekomme, in denen ihr mir sagt, dass ich euch helfe, motiviere, Mut mache, dann mache ich es gerne. Dann schreibe ich gerne für euch nieder was mich so bewegt bzw. bewegt hat.

Help where you can.

Es ist Angst. Furchtbare Angst. Angst vor dem Übermaß, Angst vor dem Unkontrollierten. Angst vor dem Leben, Angst vor dem Versagen.

Morgens früh klingelt der Wecker, die Augen öffnen sich, doch da stimmt was nicht. Es fühlt sich an wie unendliche Leere, man ist so leicht und fühlt sich leer. Doch schon beim Aufstehen ist es schwer, den einen Fuß vor den anderen setzen, schon das ist ein Problem. Schwindel, Zusammenbruch. Ein weiterer Versuch, Schwindel. Man hält sich fest, versucht zu atmen und geht weiter. Ein Blitzgedanke „Das ist nicht richtig, dein Körper kann nicht mehr.“ Ignoranz und der erste Schritt vor den Spiegel, an dem man vorbei gehen muss, ändern schon wieder alles. „Du bist fett, du bist hässlich, du bist ein Fehler, du hast alles falsch gemacht, du kannst mich nicht los werden.“, schreit es in einem, laut.

In der Küche, verzweifelt vor dem Kühlschrank, die Tür auf und zu und auf und zu. Doch nichts ohne Kalorien ist auffindbar, selbst das kleine Gurkenstück ist zu viel, einfach zu viel….

  • Das sind Gedanken, mit denen Magersüchtige zu kämpfen haben, doch leider sind dies erst die ersten Minuten eines Tages und alles erstreckt sich weiter über den ganzen Tag, 7 Tage die Woche.

Frag dich mal. Möchtest du es? Möchtest du jeden Tag mit diesen Gedanken leben? Möchtest du 24/7 über das Essen bzw. nicht essen nachdenken? Möchtest du dich von allen Menschen abwenden und in deiner eigenen kleinen Gedankenwelt leben? Über Kalorien und Fettgehalt nachdenken? Möchtest du jeden Tag auf die Waage steigen und anfangen zu weinen und zu schreien? Möchtest du unfähig sein, zu lachen, zu lieben und zu leben? Möchtest du, dass sich alle um dich sorgen? Möchtest du, dass das eigentliche Leben an dir vorbeizieht? Möchtest du hungern? Möchtest du hungern bis in den Tod? Möchtest du das? Möchtest du das wirklich?

Aufwachen, auf seinen Körper hören und die ersten Schritte in die Küche gehen, die Schränke öffnen und ein Frühstück zubereiten. Danach das Make Up herausholen und sich erstmal etwas Farbe ins Gesicht zaubern, um die natürliche Schönheit noch etwas zu unterstreichen und danach mit einer super guten Freundin in die Stadt fahren, shoppen, lachen, reden. Nach ein paar Stunden gemeinsam Heim kommen, kochen und einen Film schauen, oder Musik hören. Das Leben genießen. Leben, lieben, lachen.

Hört sich das nicht gut an? Besser an? Hört es sich nicht nach etwas Erstrebenswertem an?

Ich weiß, dass es sich auch für dich nach etwas Tollem anhört. Ich weiß, dass du lieber lachen möchtest, als zu weinen, lieber bei Freunden sein möchtest, als alleine Zuhause, lieber kochen möchtest, als zu hungern, lieber Energie haben möchtest, als umzukippen, lieber leben möchtest, als zu sterben.

Ich rede von dir, von DIR! Nicht von der Stimme in dir, die dich zerstört, die dich verändert. Denn das bist nicht du. DU bist gut genug, so wie du bist. DU willst leben!

Also. STOP! Die Gedanken, ja sie sind da, ich weiß, doch du hast es in deiner Hand, wie du damit jetzt umgehst! Du hast in der Hand, ob du sie zulässt und weiter bis in den Tod hungerst. Du hast es in der Hand, ob du weiter jeden Tag diese Stimmen zulässt und das Gegenteil von dem tust, was man unter Leben versteht.

Stehe endlich auf! Stehe auf und kämpfe! Fang an, über deine Probleme zu reden, um heraus zu finden, warum du eine Essstörung entwickelt hast, warum du nicht mehr isst.

Stell die Waage an die Seite, denn du bist mehr Wert, als irgendeine Zahl, die dein Körpergewicht angibt.

Gehe  zum Spiegel. So, jetzt versucht du dich zu sehen. Nein, nicht Anorexia Nervosa, sondern dich, DICH. Ja, es fällt dir schwer, doch sei ehrlich zu dir. Knochen zu sehen, ist nicht normal, Untergewicht haben, ist nicht normal, umkippen ist nicht normal, nicht essen ist nicht normal!

Du siehst es jetzt noch nicht und das ist normal, da dein Gehirn nicht mehr richtig arbeiten kann, weil es keine notwendigen Stoffe zum Leben mehr bekommt. Und deshalb gehst du jetzt in die Küche, öffnest den Kühlschrank und holst dir etwas heraus. Nein, nicht etwa die Gurke oder Paprika sondern etwas, das dir Energie liefert. Zaubere dir Kartoffelspalten, mache dir eine große Portion Müsli oder Oatmeal, nehme dir die leckersten Toppings und verteile sie großzügig auf deiner Portion. Nehme dir auch gerne Schokolade oder eine Pizza, nehme dir was DU wirklich möchtest. Denn das brauchst du, denn du möchtest wieder leben. Der erste Schritt zum gesunden Spiegelbild und weg von der verzehrten Wahrnehmung ist das Essen! Also los, worauf wartest du noch?

Der Tag, an dem du dich bereit fühlst, wird nicht kommen. Aber der Tag, an dem du und dein Körper bereit ist, ist schon da, heute. Denn du und dein Körper benötigen die Energie, die dir das Essen liefert.

Schluss mit den Gedanken, Schluss mit dem Selbsthass, Schluss mit dem Hungern.

Ich weiß, dass du es kannst! Die Kraft trägst du in dir. Deshalb stehe auf und kämpfe. Ignoriere die Stimme in dir. Wenn du das machst, wird sie von Tag zu Tag leiser. Eines Tages wirst du durch das Essen wieder dein normales Spiegelbild sehen, eines Tages wirst du wieder lieben, lachen und leben.

Du bist gut genug, du bist schön genug, du bist es Wert. Und egal, ganz egal, was in deinem Leben schon passiert ist, du kannst das hinter dir lassen und einen Neustart machen. Heute.

Gewinne die eigentliche Kontrolle über dein Leben zurück, lieben, lachen, leben.

Du schaffst das!

Allerliebste Grüße,  deine Sophie

 

 

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